Impulsreisen

Sie möchten ein tiefergehendes Gefühl dafür bekommen, wie andere Organisationen mit Fragen und Themen umgehen, die auch die eigene Organisation in Zukunft berühren werden? Impulsreisen können in diesem Punkt überraschende Perspektiven eröffnen.

Welches Unternehmen für eine Impulsreise in Frage kommt, hängt immer von der Fragestellung und dem Erkenntnisinteresse ab. Ziel einer Impulsreise ist es nicht, kognitives Wissen zu erlangen oder Maßnahmen zu kopieren, sondern alternative und neue Lösungsmöglichkeiten zu erkennen und die Überlegungen dahinter zu verstehen. Das gelingt nur, wenn die Reisenden in die Realität des Geschäfts, der Prozesse oder Meetings eintauchen können. Ein kurzer Empfang und ein oberflächlicher Vortrag können diese Tiefe und Erkenntnis nicht leisten. Mit einem ganzheitlichen Blick auf die Räume, das Gesprächsklima, die Gesprächsinhalte und Rituale werden die ausschlaggebenden Qualitäten und Zusammenhänge erkennbar. Es wird also versucht, die besuchte Organisation vorurteilsfrei mit allen Sinnen zu erleben, sie intensiv wahrzunehmen, zu sehen, zu verstehen und zu fühlen. Das setzt voraus, wirklich neugierig zu sein und echtes Interesse zu haben.

Die Praxis der Impulsreise: entdecken – erforschen – untersuchen Wenn ein Unternehmen erfolgreich ist und neue Herausforderungen lösen kann, spielen im Hintergrund viele Faktoren zusammen. Um diese Faktoren intensiv zu ergründen und ganzheitlich zu erfassen, einigt sich die Reisegruppe vorab auf bestimmte Fragestellungen und Themen, die sie im gastgebenden Unternehmen beleuchten möchte. Diese Themen werden aus dem Prozess der Unternehmensentwicklung bzw. aus dem Veränderungsprojekt abgeleitet. Natürlich werden sich auf der Reise neue Fragen ergeben und daher gilt für die Impulsreise: Forscherblick, unvoreingenommene Wahrnehmung, Achtung vor dem anderen, neugierig sein. Mit dem ganzheitlichen Wahrnehmen einer anderen Umgebung verändert sich der Blick auf die eigene Wirklichkeit. Dinge, die bisher natürlich und gegeben erschienen sind, können neu interpretiert und damit auch verändert werden.

Vor der Impulsreise Zunächst werden die eigenen Suchfelder formuliert und Beobachtungsfelder gesammelt sowie Fragen definiert, die man tiefgehender untersuchen möchte. Für Impulsreisen eignet sich eine heterogene Gruppe von etwa fünf Personen – es sollten also Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Wissensgebieten, Bereichen und Abteilungen dabei sein. Welches Unternehmen als Reiseziel ausgewählt wird, hängt von den definierten Beobachtungsfeldern und Fragen ab. An erster Stelle sollten Unternehmen besucht werden, die diese Themenfelder gut gelöst haben oder vor ähnlichen Fragen stehen. Dabei kann man durchaus über den Tellerrand blicken: Möglicherweise hat ein Unternehmen aus einer völlig anderen Branche bereits einen interessanten Zugang gefunden. Falls es zum in Frage kommenden Unternehmen persönliche Kontakte gibt, sollten diese auch genutzt werden. Wichtig ist, ganz offen anzusprechen, welchen Zweck die Impulsreise hat und was man in Erfahrung bringen will. In dieser Phase muss Vertrauen aufgebaut werden, denn man will ja in den Kern einer anderen Organisation vordringen. Daher ist es auch sinnvoll, mindestens zwei Tage vor Ort zu verbringen, denn es geht nicht um einen kurzen Vortrag, sondern um ein wirkliches Eintauchen in die Tiefen der Organisation. Das Programm vom Ablauf über die Gesprächspartner bis hin zu Detailthemen wird vom Besucherteam vorab festgelegt und gemeinsam mit den Gastgebern organisiert.

Abbildung: Impulsreisen als Innovationskreislauf

In der anderen Organisation zu Gast In einer neuen Umgebung prasseln unzählige Eindrücke auf die Mitglieder der Reisegruppe ein. Damit sich niemand in der Information verliert, sollte am Beginn der Impulsreise geklärt werden, wer sich auf welchen Aspekt des Beobachtungsfelds fokussiert. Dabei sollte noch einmal jeder auf seine Haltung achten und während des Besuchs das persönliche Wissen und die eigenen Erfahrungen loslassen. Neugierig sein, beobachten, fragen und nochmal fragen – nicht sofort bewerten. Die besten Antworten bekommt man, wenn man eher offene Fragen stellt, Vertrauen in die eigene Intuition hat und authentisch bleibt. Meistens verlaufen Impulsreisen nach einem ähnlichen Schema:

  • Gespräche/Interviews/Dialoge mit Vertreterinnen und Vertreterinnen des Unternehmens

  • Besuch einer Produktionsstätte, von Stores etc.

  • Teilnahme an Meetings und Besprechungen

  • Beobachtung der operativen Arbeitsprozesse

  • An den Abenden (oder in der Mittagspause) der Impulsreise ziehen die Reisenden eine Zwischenbilanz:

  • Was ist mir aufgefallen? Was hat mich berührt?

  • Welche neuen Fragen sind aufgetaucht?

Als Gegenleistung kann die Reisegruppe anbieten, ihre Eindrücke und Erkenntnisse zurückzuspielen und so einen Nutzen für das gastgebende Unternehmen zu generieren.

Nach dem Besuch Nach einigen Tagen wird in der Gruppe gemeinsam reflektiert:

  • Was hat mich/uns überrascht?

  • Was konnte ich zu meinen Suchfragen herausfinden?

  • Welche Aspekte könnten für unser Unternehmen interessant sein?

  • Welche Impulse sollten wir weiter verfolgen?

Damit Impulsreisen kein „Strohfeuer“ werden, sollten die Ergebnisse in das Innovations-Managementsystem eingebunden werden. Die Ergebnisse der Reflexion sollten so aufbereitet werden, dass sie anderen Personen zur Verfügung gestellt werden können. Denn die Veränderung im eigenen Unternehmen wird nur dann nachhaltig mit dem Instrument der Impulsreise unterstützt, wenn die Ergebnisse auch in die Unternehmensentwicklung eingebunden werden.

Dieser Artikel wurde entnommen aus: Weiss, Mario (Hrsg.) (2016): Handlungskompetenz Innovation. Zugänge und Methoden für radikale Sprünge und Innovations-Managementsysteme. Bern: Haupt


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